Radioligandentherapie: von der Produktion in die Klinik – von der Herstellung zur Anwendung

Die Radioligandentherapie (RLT) ist ein präzisionsmedizinischer Ansatz und gilt als Schlüsseltechnologie der modernen Onkologie. An ihrer Entwicklung waren deutsche Forschungsinstitute, Kliniken und pharmazeutische Unternehmen maßgeblich beteiligt. Für Patient*innen mit schweren Erkrankungen, die dringend wirksame und zugleich gut verträgliche Therapien benötigen, kann die RLT neue Perspektiven eröffnen. Novartis plant in Halle (Sachsen‑Anhalt) eine neue Produktionsanlage für Radioligandentherapien zu errichten1 - ein starkes Signal für den Pharmastandort Deutschland und für eine weiterhin verlässliche Versorgung von Patient*innen. Um zu verstehen, warum dieser Ausbau so entscheidend ist, lohnt ein Blick darauf, wie Radioligandentherapien funktionieren.

Feb 17, 2026

Präzisionsmedizin in der Onkologie: Wie funktionieren Radioligandentherapien?

Die RLT ist ein präzisionsmedizinischer Ansatz, bei dem die radioaktive Strahlung gezielt eingesetzt wird, um Krebszellen im Körper zu zerstören. Bei dieser Art der Krebsbehandlung wird ein zielgerichtetes Biomolekül (Ligand) mit einem Radionuklid (eine instabile Atomsorte, die beim spontanen Zerfall radioaktive Strahlung aussendet) zu einem Radioliganden kombiniert. Manche Krebszellen bilden im Körper eine bestimmte Oberflächenstruktur aus. Diese Zielstruktur wird von dem Liganden erkannt und bindet daran. Wird der Ligand in die Blutbahn gespritzt, bringt er das Radionuklid direkt an die Krebszelle. Das Radionuklid kann dann die Zielzellen schädigen und ihre Fähigkeit beeinträchtigen, sich zu replizieren, sowie zum Zelltod führen. Dabei soll die Radioligandentherapie das umliegende Gewebe so wenig wie möglich schädigen.2,3 Aus dieser Wirkweise ergibt sich ein besonderer Anspruch für die Herstellung: Geschwindigkeit wird zu einem entscheidenden Faktor.

Bei der Radioligandentherapie handelt es sich um eine Präzisionskrebsbehandlung, bei der ein zielgerichtetes Biomolekül (Ligand) mit einem Radionuklid (eine instabile Atomsorte, die beim spontanen Zerfall radioaktive Strahlung aussendet) kombiniert wird.

Warum Geschwindigkeit bei der Herstellung von RLTs entscheidend ist

Radioligandentherapien enthalten ein radioaktives Radionuklid, und genau das macht ihren Herstellungs‑ und Lieferprozess außergewöhnlich anspruchsvoll. Anders als herkömmliche Medikamente können RLTs nicht vorproduziert oder gelagert werden; die Herstellung ist patient*innenindividuell und beginnt erst, sobald eine Klinik eine konkrete Therapie bestellt. Der gesamte Prozess ist somit zeitkritisch und logistisch anspruchsvoll. Radionuklide selbst werden in speziellen Anlagen (z. B. Reaktor oder Zyklotron) hergestellt, haben eine kurze Halbwertszeit und somit nur eine begrenzte Anwendungszeit. In einem wesentlichen Schritt der Produktion wird das Radionuklid an einen Liganden gebunden und anschließend als fertiges Arzneimittel abgefüllt.

Bevor das fertige Arzneimittel den Weg aus der Produktion zur bestellenden Klinik antritt, wird es einer weiteren Qualitätsprüfung unterzogen und anschließend für einen sicheren Transport in für den Strahlenschutz geeigneten Materialien verpackt. Aufgrund der kurzen Halbwertszeit muss jede Dosis innerhalb eines Zeitfensters von weniger als einer Woche von der Produktion bis zur Anwendung zu einem Patienten oder einer Patientin gelangen. In der Klinik angekommen, bereitet geschultes Fachpersonal die Therapie für die weitere Anwendung vor, bevor sie verabreicht werden kann.

Novartis setzt entlang der gesamten Lieferkette – von der Herstellung über die Verpackung und den Transport bis hin zur Abfallentsorgung – auf die Einhaltung geltender Strahlenschutzvorgaben und hoher Qualitätsstandards, um die Sicherheit von Patient*innen und den Schutz von medizinischem Fachpersonal, Mitarbeiter*innen und der Umwelt sicherzustellen. Vom ersten Herstellungsschritt bis zur sicheren Ankunft in der Klinik zählt jede Minute. Deshalb kommt dem neuen Produktionsstandort eine besondere Bedeutung zu.

Der Standort Deutschland

Die Radioligandentherapie ist eine in Deutschland maßgeblich mitentwickelte Behandlungsmethode. Sie kann dazu beitragen, den hohen medizinischen Bedarf von Patient*innen mit schweren Erkrankungen zu adressieren und neue therapeutische Optionen eröffnen.

Bild des neuen Novartis-Produktionsgebäudes für Radioligandentherapien in Halle (an der Saale)

Deutschland verfügt über eine gewachsene Expertise und etablierte Strukturen in Nuklearmedizin und Radioligandentherapie - ein klarer Standortvorteil. Forschung, Industrie und Versorgung greifen hier eng ineinander und schaffen Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Perspektiven.

Die geplante Anlage in Halle (an der Saale) mit einer modernen, teilautomatisierten Produktionslinie und Erweiterungsoptionen bietet zudem logistische Vorteile durch die Nähe zum Flughafen Leipzig und zu wichtigen nuklearmedizinischen Zentren. Für Kliniken und Patient*innen bedeutet das, kurze Wege, eine stabile Versorgung und kurze Lieferzeiten.

Novartis ist derzeit das einzige Unternehmen mit zwei in Deutschland zugelassenen Radioligandentherapien und verankert diese Technologie als eine seiner drei strategischen Innovationsplattformen. Das Investment in Halle zeigt: Wo Innovation gezielt gefördert wird, entstehen Fortschritt und nachhaltige Wertschöpfung - zum Nutzen des Wirtschaftsstandorts Deutschland und schwerkranker Patient*innen.

Referenzen

  1. Novartis investiert in Radioligandentherapien: Neuer Produktionsstandort in Halle, Sachsen-Anhalt | Novartis Deutschland, Zugriff am 02.02.2026.
  2. Jurcic JG, Wong JYC, Knox SJ, et al. Targeted radionuclide therapy. In: Tepper JE, Foote RE, Michalski JM, eds. Gunderson & Tepper's Clinical Radiation Oncology. 5th ed. Philadelphia, PA: Elsevier, Inc; 2021:423-437.e17.
  3. Jadvar H. Targeted radionuclide therapy: an evolution toward precision cancer treatment. AJR Am J Roentgenol. 2017;209(2):277-288.